Die Berliner Weisse

Berliner Weisse
Dolden Maedel Berlin

Gute Biere des Stils „Berliner Weisse“ hat man längere Zeit nur von amerikanischen oder anderen „ausländischen“ Brauereien beziehen können. Inzwischen werden auch in Berlin selbst wieder spannende Biere dieses Stils hergestellt. Thomas Tonitz aus dem „Dolden Mädel“ über die Renaissance eines wichtigen, regionalen, Bierstils. „Der Name sagt alles. Die Berliner Weisse ist ein Weissbier, das aus Berlin stammt. Ein säuerliches, obergäriges Weizenbier, das über Jahrhunderte im Norden Deutschlands gebraut wurde. Mitte des 19.Jahrhunderts war Berlin eine der Bierhauptstädte Europas mit hunderten, kleinen Brauereien, die alle ein Bier brauten, dass damals auch als „Champagner des Nordens“ bezeichnet
wurde.

Sirup war nicht immer dabei

Leider war das nächste Jahrhundert kein gutes für die Berliner Weisse. In den neunzehnzwanzigern begannen einige Berliner, die Weisse mit grünem Waldmeister- oder rotem Himbeersirup zu pantschen, um damit den säuerlichen Geschmack zu überdecken. Das war der Beginn des Endes der Berliner Weissen, in den kommenden Jahrzehnten verlor dieser Bierstil mehr und mehr an Bedeutung, das Pils wurde zu dem Berliner Bier. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts braute nur noch eine einzige Berliner Brauerei ein Bier namens Berliner Weisse, doch auch das entsprach nicht mehr dem Original: aus hygienischen Gründen verzichtete man hier auf die Verwendung von Brettanomyces.

Renaissance im Rahmen der Craftbier Bewegung

Ein Glück, dass der Bierstil Berliner Weisse mit der Craftbier-Bewegung ein Comeback erlebt. Die original Berliner Weisse wird aus einer Kombination aus Weizen- und Pilsener Malz gebraut. Das Bier mit der geringen Stammwürze (Die original Berliner Weisse ist demzufolge ein Schankbier) wird mit einer neutralen, obergärigen Ale-Hefe, Saccharomyces und Lactobacillus Bakterien
vergoren.

Das Bier wird dann jung in die Flasche gefüllt und reift darin einige Monate, während denen die Brettanomyces, (Spitzname „Brett“) eine besondere Hefeart, Zeit hat, dem Bier seinen ganz eigenen Geschmack, eine gewisse Erdigkeit und Trockenheit im Abgang zu geben. Weisse wird Mittlerweile auch gerne etwas kreativer interpretiert, es werden gerne Gewürze, Kräutern
oder auch Blüten mit verwendet.

Der Alkohol Gehalt liegt zwischen 2,5 und 5% Vol. Die Bezeichnung Berliner Weisse darf auch nur dann verwendet werden wenn das Bier auch wirklich in Berlin gebraut wurde. Alle außerhalb Berlins gebrauten Biere gleicher Brauart dürfen nur „Weisse Berliner Art“ heißen“.

Zur Verkostung hat Tonitz vier Biere mitgebracht

– Schneeeule „Marlene““ – Berliner Weisse
– Onkel Bier (Düsseldorf) „Onkel Herbert Rhabarber Weisse“ – Bier nach Art der Berliner Weissen
– Stone „White Geist“ – Berliner Weisse
– Berliner Kindl Weisse

Tonitz: „Marlene“ ist ein Klassiker, gebraut, wie zu Großvaters Zeiten, prickelnd, leicht säuerlich, fruchtig frisch. Alkoholgehalt 3 % Vol.

Onkel Bier ist ein deutscher Gipsy-Brauer, der bei De Proefbrouwerij in Belgien diese Berlin Style Weisse mit drei Prozent Rhabarberpüree braut. Das fügt er direkt vor der Flaschenabfüllung hinzu, das gibt dem trockenen Bier eine
milde Fruchtigkeit.

Die amerikanische Brauerei Stone hat viele Millionen in ihren Europa-Standort Berlin investiert. Mit „White Geist“ haben sie nun auch eine Berliner Weisse auf den Markt gebracht. Das herb-erfrischende, kessel-gesäuerte Bier hat sein säuerliches
Aroma von besonderen Lactobacillus-Bakterien, die aus Berliner Kulturen stammen. Der Alkoholgehalt wurde auf 4,7 % Vol. erhöht
und das Bier mit den deutschen Hopfensorten Huell-Melon und Callista gewürzt. Der Geschmack erinnert an Aprikose und reife Honigmelone“.

Schlussbemerkung der Redaktion

Mit der (bereits in der Flasche mit „Waldmeister“-Sirup versetzten) Berliner Kindl Weisse brachte Tonitz zum Vergleich auch das Massenprodukt zur Verkostung. Die „Berliner Kindl Weisse“ (eine geschickte Namenskonstruktion; man könnte fast glauben es handele sich hiebei um ein Bier des Stils „Berliner Weisse“) war lange Zeit das einzige Produkt am Heim-Markt der deutschen Hauptstadt, welches, zumindest vom Wording her, an den Bierstil „Berliner Weisse“ erinnert hat.

Gute Biere dest Stils „Berliner Weisse“ hat man längere Zeit nur von amerikanischen oder anderen „ausländischen“ Brauereien beziehen können. Inzwischen werden auch in Berlin selbst wieder spannende Biere dieses Stils hergestellt. Die „Schneeeule“ braut als einzige Brauerei ausschließlich Berliner Weisse.

Autor: Thomas Tonitz

Thomas Tonitz (Bild) ist Restaurantleiter Stv. im angesagten Craftbier-Hotspot „Dolden Mädel„, Berlin. Tonitz hat am 27. September sein Training zum beerkeeper [Gold Level] erfolgreich absolviert.

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