IPA – ist das ein Bierstil?

IPA - Nicht nur in Indien beliebt
IPA - India Pale Ale

IPA – India Pale Ale, das ist doch ein Bierstil. Oder?

IPA hat sich längst vom Bierstil zur Stilfamilie entwickelt. Nun gibt es IPA-Stile in unterschiedlichen Stärken mit „anderen“ Zutaten und in mehreren Farbtönen. beerkeeper Birgit Rieber hat dazu einen feinen Artikel geschrieben. Er wurde im Fachmagazin „Leidenschaft Craft„, es erscheint im Verlag Sachon, veröffentlicht.

Hier das Original-PDF der Story im „Leidenschaft Craft“. – nachstehend der Text aus dem November 2016 – aktualisiert und eingestellt am 21. Juni 2017

IPA vom Bierstil zur Stilfamilie

India Pale Ale mauserte sich bald zum Lieblingsstil der Craftbier-Bewegung. Speziell in der neuen, amerikanischen Interpretation des alten, ursprünglich englischen Stils. IPA ist die Abkürzung für „India Pale Ale“. Achtung: India ohne „n“. Es gibt tatsächlich Brauereien, die „Indian“ [mit „n“] auf ihre Etiketten schreiben. Sie liegen damit nur leicht daneben: cirka 12000 Kilometer.

Kurz und sexy

Das Akronym „IPA“ wirkt auf Biergenießerinnen so sexy, dass es mittlerweile für andere Bierstile herangezogen wird. Eine gewisse Logik liegt dabei in der Bezeichnung „Imperial IPA“; sie verspricht noch mehr Intensität, Hopfen, Alkohol; das Wort „Imperial“ wurde vom Stout entlehnt. Aber was sollen wir uns unter „Black IPA“ vorstellen? Ein sprachliches Paradoxon allemal, ist doch „pale“ mit „hell“ zu übersetzen und „black“ mit „schwarz“. Demnach wäre ein Black IPA auf deutsch ein „Schwarzes Indisches Hellbier“ und somit so etwas Ähnliches wie ein „schwarzer Schimmel“. „Finster war’s, der Mond schien helle“.

Paradox ist aber nur das Wording. Es gibt außergewöhnlich gute Biere dieses Stils. Wie zum Beispiel jenes der kanadischen Brauerei Steamworks, „Black Angel IPA“ genannt. Oder die „Dunkle Materie“ der Wiener Kuckucksbrauer „Brew Age“. Die Camba Bavaria hat sogar ein „Imperial Black IPA“ mit 120 Bittereinheiten eingebraut.

Weizen IPA

Maisel Bayreuth liefert mit „Citrilla“, Ratsherrn Hamburg mit dem „Matrosenschluck“ jeweils ein „Weizen IPA“. Das weiße „Nicobar“ aus dem salzburgischen Gusswerk wird auch so bezeichnet. Die „Hopfenweisse“ von Schneider Kelheim fällt nach unserem Erachten in denselben Stil, auch wenn die Brauerei ihren köstlichen Doppelbock nicht „India Pale Ale“ nennt. Das erwähnte „Imperial IPA“ kommt auch als „Double IPA“ vor und wird seit ein paar Jahren als eigene Kategorie beim European Beer Star geführt. Köstliche Beispiele gibt es von der Camba Bavaria; von St. Austell „Big Job“, und von Evil Twin Brewing, den Molotov Cocktail (mit „v“).

Es geht weiter. Nach oben …

Aber Imperial oder Double bezeichnet noch nicht das Ende der IPA-Fahnenstange. Von dort weht zurzeit das „Triple IPA“, auch „Extreme IPA“ oder „Imperial Double IPA“ genannt. Biere mit 120 Bittereinheiten und hohen Alkoholwerten, zehn und mehr Volumenprozente sind da keine Seltenheit. Wie beim „TIPA“ (Triple IPA) von Emelisse mit 103 IBU und zehn Volumenprozent Alkohol. Oder beim „Devil Dancer“ von Founders mit zwölf Volumenprozent und 120 IBU.

… und nach unten

Die IPA-Stilfamilie wurde auch in die unteren Bereiche der Alkoholgehalte erweitert. Es gibt einen Stil, der „Session IPA“ genannt wird und mit oft „nur“ rund fünf Volumenprozent in puncto Alkohol unter dem Wert mancher Pale Ales liegt. Was jedoch die Hopfung anbetrifft, zeigen sich Session IPAs so herb wie „erwachsene“ IPAs, womit ein wichtiger Unterschied zum Pale Ale herausgearbeitet wäre. Feine Beispiele für den Bierstil Session IPA: „All Day“ von Founders, „Easy IPA“ von Flying Dog (beide USA) oder „Hausmarke 2“ aus dem Ottakringer Brauwerk (Wien).

Der neueste Trend heißt „NEIPA“

Von der Ostküste der USA kommt das New England IPA. Bittere ist bei den NEIPAs nicht so wichtig – sogar eher fehl am Platz. Fruchtig soll es sein und – trüb. Die Optik polarisiert zuweil, lässt die NEIPAs eher wie Fruchtsaft erscheinen – sie sollen auch so riechen, mehrfaches Hopfenstopfen macht die neue Variante des IPAs zum „Hopfensmoothie“.

„India Pale Ale“ bezeichnet demnach längst nicht mehr nur einen einzelnen Stil, sondern eine ganze Familie von Stilen. Sie wird auch in Zukunft weitere Zuwächse verzeichnen. Und offenbar gilt bei Craft Beer auch bezüglich der Stil-Bezeichnungen: „Erlaubt ist, was gefällt.“ Alle Biere, die wir hier erwähnt haben, wissen jedenfalls der Autorin dieses Beitrages, Birgit Rieber, zu gefallen. Die Brauerstochter ist beerkeeper leitet als COO des Instituts für Bierkultur die beerkeeper-Trainings.

Die Mitglieder der Stilfamilie India Pale Ale

English IPA, Old Style

Gut gehopft, aber mit klassischen
Hopfensorten, also ohne allzu „fruchtiges“
Aroma.

American IPA, new style

intensiv fruchtige Aromen dank Hopfensorten wie Cascade, Amarillo, Simcoe & Co. Wird in den USA eher an der West-
Coast gebraut, während sogenannte East-Coast IPAs eher dem Old Style entsprechen.

Imperial IPA

noch mehr Hopfen, noch mehr Alkohol. IPA zur Potenz.

Double IPA

siehe Imperial IPA.

Imperial Double IPA

Auch Extreme IPA oder Triple IPA genannt.

Black IPA

Auch Cascadian IPA. Sprachlich paradox (black = ungleich pale), geschmacklich spannend. Kombi aus fruchtigem IPA-Style und kräftigen Röstmalzaromen.

Session IPA

die alkoholärmere Variante, kann durchaus unter fünf Volumenprozent liegen. Schlanker, aber genauso ambitioniert gehopft wie ein klassisches India Pale Ale.

SHIPA

Single Hopped IPA. Für alle Hopfengaben wird dieselbe Hopfensorte verwendet. Olli Wesseloh ist SHIPA-Spezialist.

Brasilian Coffee IPA

mit Röstkaffee eingebraut.

140 IBU???

Unser Sensorium schaltet ab ca. 65 Bittereinheiten auf stur. Der Mensch kann also geschmacklich kaum zwischen 70 und 100 (oder noch mehr) Bittereinheiten unterscheiden.

Übrigens: Cascadian IPA wurde nach den Cascadian Mountains benannt. Eine Bergkette, die sich von Vancouver bis in den Norden Kaliforniens zieht. Auch die Hopfensorte Cascade hat ihren Namen diesem Gebirge zu verdanken.

India Pale Ale: Mit dem Segelschiff von England nach Indien.

Im 17. Jahrhundert begannen britische Bierbrauer, Pale Ale in alle Winkel des Imperiums zu verschicken. Indien war eines dieser Ziele. Oft waren die Schiffe sechs Monate unterwegs. Um das Gebräu für eine solche Reise fit zu machen, wurde es stark eingebraut und gut gehopft; Alkohol und Hopfen haben konservierende Eigenschaften.

Die Legende

Man erzählt gerne, dass die durstigen Kolonialisten das Starkbier hätten verdünnen sollen. Weil es aber so gut war, hätten sie es lieber so getrunken, wie es ankam, ganz ohne Verwässern. Diese Legende erzeugt Gegenreaktionen. „So sei es nicht gewesen!“ Mag schon sein. Aber gute Geschichten sind wichtig „Im Bier“ und diese Pointe der IPA-Story erzeugt immer ein Schmunzeln.

Ein Blick in echte Quellen zeigt, dass Australien, Neuseeland und Indien von England aus mit Bier beliefert wurden. Der Ausdruck „(East) India Pale Ale“ taucht allerdings erst in den 1830er Jahren auf. Er wird mit den englischen Brauereien Bass, Allsopp und Hodgson in Verbindung gebracht. Hodgson wird immer wieder, zu unrecht, wie wir heute wissen, als Erfinder des India Pale Ales genannt. Ihre Ales erfreuten sich großer Beliebtheit, da die Schiffskapitäne das Bier in großen Mengen in Indien verkaufen konnten, die Rechnungen aber erst nach ihrer Rückkunft begleichen mussten.

Dokumente aus dem Jahre 1834 belegen, dass die „Pale Ales für den indischen Markt“ zwei besondere Attribute hatten. Einmal waren sie „sorgfältig vergoren und frei von Restsüße“, also trocken, zum anderen mit „dem Doppelten der üblichen Menge“ an Hopfen eingebraut. Dennoch sind die India Pale Ales von anno dazumal bezüglich ihrer Bittere nicht mit heutigen India Pale Ales zu vergleichen. Bittere spielte bei Weitem nicht jene Rolle, die ihr heute beigemessen wird. Um 1820 wurde für den Export gebrautes India Pale Ale auch in London immer beliebter. Der Siegeszug des India Pale Ale hielt so lange an, bis der untergärige Bierstil Lager auftauchte und sich bald über den Globus verbreitete.

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